Erkundungstour durch den Urwald von La Réunion

„Foret de Belouve“ – so heißt der bekannteste und gleichzeitig größte Tropenwald auf La Réunion. Ein absoluter Pflichtbesuch, wenn es einen eines Tages auf die schöne Insel im Indischen Ozean verschlagen sollte. Nur die weißen Kicks solltet ihr hierfür definitiv nicht anziehen…

Bereits die Anreise zu diesem mystischen Ort gleicht einem Abenteuer. Der Tropenwald erstreckt sich nämlich auf einer 1300 Meter hohen Ebene, die man erstmal erreichen muss. Die schmale Straße zum Wald führt in zahllosen Serpentinen immer weiter in immer undurchdringlicheres Grün. Die Pflanzenberge rechts und links von der Straße türmen sich immer höher auf, bis irgendwann nur noch ein schmaler Spalt über der Straße frei ist, durch den man den vernebelten Himmel sehen kann.

Bevor man den eigentlichen Pfad betritt und es ins Dickicht des Waldes geht, kann man, sofern das Wetter mitspielt, einen beeindruckenden Panoramablick über den tiefgrünen Talkessel Salazie erhaschen. Wenn das Wetter nicht mitspielt, was in so einem Tropenwald durchaus mal vorkommen kann, sieht man Nebel, viel Nebel. 

Aber hey, man geht ja sowieso nicht in den Urwald, um eine Aussicht zu haben… Was sich bereits auf dem Hinweg immer mehr angedeutet hat, tritt nun gänzlich ein: Unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Pflanzen, die ich noch nie gesehen habe, und das in Dimensionen, die man erstmal begreifen muss. 

FORET DE BELOUVE

Good to know:

  • Unesco Weltkulturerbe, 1070qm Fläche
  • 3-4h Wanderung zu Aussichtspunkt
  • Spezielle Ausrüstung: Festes Schuhwerk, Regenjacke
  • Parkplätze: Reichlich & Vor Ort
  • Unterkunft vor Ort: „Gite de Belouve“

Eines fällt sofort auf, als ich die ersten Schritte auf dem Holzpfad in den Wald mache, hindurch unter Farnen, die größer sind als ich selbst: Kennt ihr den Geruch aus den Tropenhäusern des botanischen Gartens eures Vertrauens? Diese Mischung aus dicker, schwüler Luft und schwerem Pflanzenduft. Genauso riecht es hier. Mit dem winzigen Unterschied, dass hier der echte Tropenwald ist und du mal nicht eben aus einer Tür gehen kannst, um draußen Snacks zu kaufen.

Alles hier ist dicht ineinander verwuchert und scheinbar permanent dabei, sich miteinander zu kreuzen, um immer noch außergewöhnlichere Pflanzen zu bilden. Das einzige, was hier von Menschenhand errichtet wurde, ist der rutschige Pfad aus Holzplanken und in die Erde gestampfte Stufen, über die es immer weiter ins Dickicht geht.

Achja, ein Tropenwald wird nicht umsonst gelegentlich auch als „Regenwald“ bezeichnet – es gab wirklich keinen Moment während der Wanderung, in dem es nicht zumindest etwas getröpfelt hat. Die Reebok Classics, die sich bisher als ausreichendes Schuhwerk für Wanderungen aller Art bewährt hatten, kommen hier schnell an ihre Grenzen.

Der gewählte Wanderweg soll nach vier Stunden zu dem bekannten „Höllenloch“, „Trou de fer“, von La Réunion führen, wo Wasserfälle bis zu 300 Meter in einer tiefe Schlucht stürzen. Ich weiß jedoch von Anfang an, dass dieses Ziel an diesem Tag gelinde gesagt, unmöglich zu erreichen ist. Zum einen macht es der durchgängige Regen immer schwieriger mit den durchnässten Reeboks über Stock und Stein zu springen, zum anderen ist der Nebel, der mich umgibt so dicht, dass die Chance auf jegliche Aussichten auf Schluchten gegen Null geht. 

Auf der Rückfahrt gibt der langsam aufklarende Nebel den Blick auf eine mindestens genauso surreal wie unheimlich aussehende Kapelle frei, die mitten im Nirgendwo am Wegesrand steht. Wow. Wie so oft auf La Réunion ist also der Weg und all die Impressionen, die man auf diesem sammelt, das Ziel.

Auch wenn es an diesem Tag nichts mit der spektakulären Aussicht in das Höllenloch von La Réunion geworden ist, sollte ich nur wenige Tage später die Chance erhalten, den spektakulären Abgrund aus nächster Nähe zu bestaunen – und zwar von einem Helikopter aus.

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