Unvergesslicher Helikopter-Flug über La Réunion

Ein Helikopter-Flug gehört wahrscheinlich zu einer der Aktivitäten, die so ziemlich auf jeder Bucket-List irgendwo vorkommt. Vollkommen zu Recht! Natürlich muss gesagt werden, dass La Réunion mit Sicherheit zu einem der optimalsten Orte gehört, den man aus der Luft betrachten kann. Die vielfältige Landschaft und die zahlreichen verschiedenen Klimazonen bieten eine äußerst abwechslungsreiche Storyline, die einem noch einmal vor Augen führt, wie besonders diese Insel eigentlich ist. Ein kleiner Erfahrungsbericht von meinem ersten und hoffentlich nicht letzten Heli-FLug.

Höhenangst? Sehr.

Um eines mal gleich vorweg zu nehmen: Bereits die popeligen Festival-Riesenräder stellen für mich eine Überwindung dar, die nur unter Alkoholeinfluss gemeistert werden kann. Auch muss ich unweigerlich zurückdenken an jenen Tag, an dem ich als viel zu optimistischer 13-Jähriger meinen ersten und sicherlich letzten Flug in einer kleinen Propellermaschine hatte. Nach dem zweiten Looping wurde mir so bitter übel, dass ich den Piloten fragte, wo ich mich denn notfalls etwaiger Mageninhalte entledigen könne.

Dieser meinte darauf mit todernster Miene, dass ich doch meinen Kopf einfach durch die Shirt-Öffnung wie eine Schildkröte nach innen ziehen soll, um alles Weitere dort zu erledigen. Alles, was darauf passierte, überlasse ich deiner Fantasie, werter Leser. Ich kann jedoch so viel sagen: Der Innenraum des Flugzeugs blieb blitzeblank sauber.

Es ist 7 Uhr morgens, keine Wolke am Himmel. Bis zuletzt hatte ich fest damit gerechnet, dass der Flug aufgrund des unberechenbaren Wetters von La Réunion ins Wasser fällt. War wohl nichts. Und so sitze ich im Shuttle zum Helikopter-Hangar und weiß nicht so recht, ob die Vorfreude oder der Respekt überwiegt. Angekommen beim Flugplatz lasse ich mir erstmal einen Kaffee aus einem verdächtig aussehenden Automaten – das einzige Frühstück vorerst, wer weiß, was noch so passiert.

IMG_9238

Nicht einmal 5 Minuten später ist es dann jedoch soweit. Fliegender Übergang sozusagen. Haha. Entgegen aller Befürchtungen bezüglich meiner Höhenangst macht mir der Start überraschend wenig Probleme. Tatsächlich habe ich mit der Erwartung, dass wirklich alles passieren könnte, dem Flug entgegengesehen– sprich: Den halben Heli vollbrechen, ohnmächtig werden und den halben Heli vollbrechen, mich selbst vollbrechen. All das hätte durchaus passieren können. Aber dann bin ich auf einmal in 500m Höhe und nichts von alledem tritt ein. Ich würde euch sagen, wenn es anders gelaufen wäre, wirklich.

Angefangen an der Küste, geht es immer tiefer ins Landesinnere, den bis zu 3000m hohen Bergen entgegen. Der Pilot murmelt teils englische teils französische, jedoch meist gänzlich unverständliche Dinge ins Mikrofon. Durch steile Schluchten, vorbei an 100m langen Wasserfällen, denen der Heli gefühlt so nahekommt, dass man sie fast berühren könnte. Die erste Station: Das „Höllenloch“ von La Réunion: Trou de fer. Hier stürzen bis zu 300m lange Wasserfälle in einen noch tieferen Abgrund, und genau dort geht es hinein.

TROU DE FER

300 Meter lange Wasserfälle

Irgendwie froh, heil da wieder rausgekommen zu sein, geht es weiter in einen der beiden Vulkankrater der Insel. Hierbei handelt es sich glücklicherweise um den, der bereits erloschen ist, sodass sich dort malerische Bergdörfer bilden konnten, über die wir nun hinwegfliegen. Cilaos heißt die größte Krater-Stadt, in der ich noch drei Tage zuvor übernachtet und vom Boden aus Helikopter beobachtet habe, die über mich hinwegflogen.

 

CILAOS

1200 METER, 5300 EINWOHNER

Der Höhepunkt des Flugs kommt allerdings noch: Jetzt geht es nämlich noch in den anderen Vulkan-Krater, und der ist noch aktiv – so aktiv, dass kleine Rauchschwaden aufsteigen, als wir drüber hinwegfliegen. Der Piton de la Fournaise und seine rote Kraterlandschaft zieht unter meinen Füßen vorbei, als würde der Heli gerade zum Landeanflug auf dem Mars ansetzen. Nur wenige Tage vorher war ich noch auf einem Roadtrip über ebendiese endlosen Lavafelder unterwegs.

PITON DE LA FOURNAISE

HÖHE 2600 METER

LETZTE ERUPTION JULI 2017

Auf dem Rückflug zum Landeplatz überwiegt ein Gefühl von „Schade, das war’s jetzt etwa schon?!“

Über eine Stunde dauerte mein erster Heli-Flug. Bis oben hin voll mit Endorphinen und unvergesslichen Eindrücken steige ich aus dem Helikopter und bewege mich halb gehend, halb wankend Richtung Hangar-Ausgang.

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  • Vince

    Hi, ich bin über IG auf deinem Blog gelandet. Fantastische Bilder und die gifs kommen voll gut und beleben das Ganze. Top und weiter so! Viel Spass beim Entdecken.

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